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Die Stadt Solothurn war früher in Quartiere aufgeteilt, die Farbnamen trugen. Für jedes dieser Quartiere wurde von den Behörden ein dickes Buch geführt, das sich "Quartierrodel" nannte, und in dem die Einwohner und Einwohnerinnen nach Strasse und Hausnummer aufgelistet waren. 

 

Als ich wissen wollte, wer ausser Amanda im Haus Rosenhag an der Kapuzinergasse 168 noch gewohnt hatte, musste ich zuerst herausfinden, zu welchem Quartier diese Adresse gehörte.

 

Auf dem Ausschnitt aus dem Stadtplan von 1906 ist zu sehen, dass die Kapuzinergasse (hier als "Kapuz. Strasse" verzeichnet) die Grenze zwischen dem Quartier "Gelb" und dem Quartier "Grün" bildete. Die Nummer 168 lag westlich, war also "gelb".

Hier ist der Eintrag des Quartierrodels "Gelb" von ca. 1901-1905  für diese Adresse zu sehen.

 

Arnold Amiet starb im Juli 1900. Er wird deshalb bereits nicht mehr aufgeführt.

 

Als Eigentümerin und Bewohnerin des Hauses ist die Witwe Amanda Amiet-Engel verzeichnet. Als weitere Bewohnerinnen sind genannt:

 

Witwe Sophie Amiet-Kyburz (Arnolds Mutter, ihr Name ist durchgestrichen und mit einem Kreuz markiert, da sie im Frühling 1901 starb),

Witwe Johanna Margarita Engel Amiet aus Ligerz (Amandas Mutter).

 

Auch die beiden Mägde sind aufgeführt:

Albertina Diethelm aus Schübelbach (durchgestrichen) und darunter Zélie Arnoux aus Frankreich (dick durchgestrichen). Der Name "Zélie" wurde als "Zelié" geschrieben. Beide Mägde spielen im Roman über Amanda Tröndle-Engel eine Rolle.

Im Haus Rosenhag

Amanda 1898 mit ihrem ersten Ehemann, dem Juristen Dr. Arnold Amiet vor dem Haus Rosenhag, Kapuzinergasse 168, Solothurn (Foto: Archiv Tröndle, mit freundlicher Genehmigung der Erbenfamilie).

 

Das Haus hatten Arnolds Eltern in den 1840er-Jahren gekauft. Amanda verkaufte es 1909 an den Kanton, es wurde in der Folge abgebrochen und an seiner Stelle neues Gebäude errichtet.

 

Amanda hatte in den Jahren vor dem Verkauf offenbar mehrmals über die Last geklagt, die das sanierungsbedürftige Haus für sie bedeutete. Im Brief eines Unbekannten (Fragment, ca. 1902)  an Amanda heisst es, sie solle bedenken, dass eine Künstlerin wie sie einen Rückzugsort brauche. Das Haus Rosenhag sei ein solcher Ort. Sie möge es nicht vorschnell verkaufen. Am Ende war aber dann doch die Belastung zu gross.

Bibliografie:

- Quartierrodel gelb (MS); Stadtarchiv, Zentralbibliothek Solothurn

- Mara Meier: Im Sommer sind die Schatten blau: Amanda Tröndle-Engel. Basel: Zytologie, 2022.